Luisen – Eck (3)

An diesem Tag konnte man es ja tatsächlich merken: es ist Sommer. Wenigstens 28 Grad. Das ist doch schon mal etwas. Die Luft war trocken und es ging ein leichter Wind. Ich kam im Schlenderschritt von der Busaltestelle und beobachtete ein paar Spatzen, die sich in einer winzigen Pfütze badeten. Wo mag die nur hergekommen sein? Die Pfütze, meine ich. Sicher hat jemand einen Eimer Wasser vor der Tür ausgekippt. Die Sonne tat das ihrige, aber für ein Sperlingsbad hat der Rest ja noch gereicht.

Der Eingang zum  LUISEN-ECK lag in der Sebastianstraße. Nicht unmittelbar auf der Ecke. Nach eineinhalb Metern kam zunächst ein schmales Fenster, dann erst die Eingangstür, Und zur Rilkestraße hin gab es eine Fensterfront, die ebenfalls mit einem schmalen Fenster begann. So bekam man, wenn man das Lokal betrat zunächst den Eindruck, daß man in eine Diele kommt. Zur Sebastianstraße hin gab es einen kleinen aber sehr gemütlichen Vorgarten. eweils vier Tische mit je vier Stühlen  und im hinteren Bereich eine Hollyoodschaukel. Später würde sicher jeder Platz besetzt sein, aber im Augenblick machte Herr Müller in der Schaukel offensichtlich ein Nickerchen. Auf dem kleinen Beistelltisch stand der Aschenbecher mit dem ausgedrückten Stummel seiner Zigarre und ein leeres Bierglas. Die hintere Ecke des Vorgartens begrenzten ziemlich alte und wuchernde Fliederbüsche, so daß man da hinten sogar ein wenig Schatten ergattern konnte. An einem der letzten Tische saßen Müllers Kinderchen und malten. Nun, eigentlich tuschten sie. Man sah es an den Händen und auch ein wenig an den Gesichtern. Ernsthaft und hingebungsvoll stellte jedes ein Kunstwerk her, was die Mamma zum Geburtstag bekommen sollte. Der selbstredend natürlich bei Luise gefeiert werden würde.

„Na Kinder, malt ihr schön?“ fragte ich und blieb stehen, bevor ich das Lokal betreten wollte. („Was fragst du denn so dämlich, das sieht man doch!“) Der Knabe Jürgen warf mir einen Blick zu. (Ich kann auch in Gesichtern lesen.)Aber ich war bei diesem schönen Wetter so milde gestimmt und ließ mir einen Kaffee nach draußen bringen und dazu ein Stück selbst gebackenen Erdbeerkuchen, wie mir Luise versicherte.

Nachdem ich circa 10 Minuten mit meinen Gedanken abwesend war, kam der schöne Ottokar heraus, um mir Guten Tag zu sagen. „Hei, starrst du wieder Löcher in die Luft“ fragte er und grinste. „Sag‘ nich Hei, ich hasse das. Sag Hallo oder so was in der Art. Und falls du antworten willst: OOOUKAI!!! hasse ich auch!“ „Ich freue mich, daß du da bist sagte er, schob die Augenbrauen nach oben und die Mundwinkel nach unten. „Warum nennt man dich eigentlich den schönen Ottokar?“ fragte ich so nett ich konnte.

Dann kam Luise mit einer Tasse Kaffee in der Hand nach draussen und setze sich zu mir. „Otti, du hast Innendienst!“ „Weiber!“ Er nuschelte es vor sich hin. Immerhin so laut, daß wir es auch hören konnten. „Nu laß uns noch bißchen relaxen. Wer weiß, was später hier los is. Bei dem Wetter! Kommste abends

nochma rein? „Weiß noch nich. Wollte eigentlich Wäsche waschen.“  „Du spinnst woll. Komma runter. Berni is bestimmt auch da. Da könnta quasseln bis morgen früh…!“ “Ach Luisekin..“ sage ich. „Jetze geh‘ch erstma heeme.“ „Kannst du Fremdsprachen“ fragt sie.

Müllers Kinder tuschen noch. Aber jetzt möchte ich nachhause und mir die Klamotten vom Leibe reissen. Es ist Sommer…..

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Prosa veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s