Luisen – Eck (12)

 Bald kam die unfreundliche Jahreszeit. Nach wie vor besuchten wir Ottokar und Luise und es war eigentlich ganz so wie immer. Wir saßen am Familientisch, es waren nicht viele Gäste da und Ottokar setzte sich zu uns. Luise verriert, daß sie eine  prima super erste Sahne ungewöhnliche Erbsensuppe mit Spitzbein gekocht hat, und ja, wenn wir möchten,  jederzeit. „Bißchen später“ sagte ich.Das „Thema“ war zwar nicht in Vergessenheit geraten, aber auch nicht ständig präsent. „Die Zeiten, Otto. Die Zeitent mußte mal berücksichtigen. Bis die fertich sind mit ihre Planung, jehn wa schon lange uff‘n Mars spaziern.“ „Wer denn, wir beede?“ fragte Otto und sah den Blumenfritze unfreundlich an. Alles war so wie immer an diesem Tage und trotzdem auch wieder nicht.  Spät ging noch die Tür auf und Regina kam mit ihrem Ricci, um sich zu verabschieden. Wollt ihr eine Weltreise machen?“ fragte ich. „Na, das wär schön. Aber so viel Geld verdient Ricci ja nun doch nicht.“ Sie lächelte Otto an. „Ricci ist doch nicht aus Berlin,  weißt du.“ „Da hat er aber Glück“ murmelte ich ganz leise. Nicht leise genug, denn Bernhard hatte es gehört. „Seid ihr jetzt ein Paar?“ fragte Regina. „Die sind immer ein Paar. Die brauchen sich nur anzusehen und Peng! Schon sind sie wieder ein Paar!“ „Ricci und ich sind ja auch ein Paar. Stimmt‘s, Schnuppelchen?“ Schnuppelchen war nicht von hier. Er lächelte und sagte verhalten: „Ja mein Kätzchen!“

Ganz zum Schluß hatten wir nur noch sparsame Beleuchtung, die Jalousien waren unten und die Eingangstür war abgeschlossen. Ich trank Kaffee, die anderen noch einen Scheidebecher. „Wir haben euch beide immer als gute Freunde, ja eigentlich als beste Freunde betrachtet, dich besonders du alte Kaffeetante. Und dich auch natürlich, Bernhard. Es wäre ja schön, wenn ihr uns gegenüber ähnlich empfinden würdet.“ Ottokar sah uns beide an, Luise strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Ich nickte zustimmend ohne ein Wort zu sagen und Bernhard war verwirrt. Ottokar hielt eine Rede in perfektem Deutsch. Da mußte man hinhören. „Na klar doch, keine Frage“ sagte er.

Also – begann Ottokar und sah uns an, Luise, Bernhard und mich und senkte die Stimme. „Ich habe den Pachtvertrag vorzeitig gekündigt. da haben wir hoffentlich keinen Ärger, das macht alles der Anwalt…! A b e r: Wir haben eine Eckkneipe in Charlottenburg gepachtet. Ganz gute Gegend, bürgerlich. Nicht ganz so wie hier aber geht wie geschmiert. Alles Stammgäste. Herrscht sicher ein anderer Ton wie hier. Aber den haben wir ja auch drauf, was? Der jetzige Betreiber gibt auf aus familiären Gründen. So, das wollte ich euch erstmal sagen. Und daß ihr uns dann auch in Charlottenburg aufsucht und nicht in der Versenkung verschwindet.“ Ich muß es ja nicht extra sagen, aber bitte erzählt es nicht rum. Die denken doch, wir schwimmen im Geld, erst ne Weltreise und jetzt noch ein neues lokal….!“ Er grinste.  Luise gähnte. „Ich kann nicht mehr. Der Tag war ganz schön lang. Gute Nacht allerseits.

Ich laß euch raus“. Er brachte uns zur Tür, klopfte Bernhard freundschaftlich mehrmals auf die  Schulter  und drückte mich mit dem linken Arm ebenso freundschaftlich an sich, „Schlaft schön rief er uns nach und ließ die letzte Jalousie herunter. „Komm, mein Kätzchen“ sagte Bernhard. Meine Antwort schreib ich hier nicht hin. Sonst denkt noch jemand, wir wären ein Paar.

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