Am gemütlichen Kamin (1)

AM  GEMÜTLICHEN  KAMIN

Bei Luise

Familienrestaurant – Inhaber Ottokar und Luise Brettschneider

Seit unserem letzten Besuch im Luisen-Eck, der mit dem unheilvollen Verkünden der Maßnahmen,. die in den kommenden Wochen und Monaten, vielleicht sogar Jahren über die Bewohner der näheren und weiteren Umgebung hereinbrechen würden, waren wir ab und zu mal auf ein Bier und einen Cappuccino zusammen,  aber ich hatte viel zu tun und Bernhard auch. Es wurde Herbst und mitunter ganz schon kühl, da saßen dann auch nur besonders abgehärtete Gäste nicht allzu lange draußen.

Man war nach wie vor vergnügt im Luisen-Eck, die Gäste trafen sich wie immer und die Gespräche drehten sich ab und zu um das, was demnächst wahrscheinlich auf alle zukommen würde. Auf den Wechsel im Luisen-Eck war. glaube ich, außer Bernhard und mir niemand vorbereitet. Aber Otti machte das ganz geschickt, weil er Paule, den neuen Inhaber, zunächst als entfernten Verwandten präsentierte. Und dieser Paule war  oft im Restaurant, und nach und nach immer öfter allein. so hatten sich die meisten  Stammgäste längst an ihngewöhnt und auch an seinen trockenen Humor und an seine herzliche Art. Er war ein kleiner rundlicher Mann, aber keinesfalls ein Dickerle. Seinen lebhaften braunen Augen entging kaum etwas, und  hin und wieder fiel ihm seine Tolle ins Gesicht. Seine Haare waren dunkel, hatten aber irgendwie einen Stich ins rötliche. Man kann sagen, er war ein feiner Kerl.

Immer öfter kam auch Gerhard, der Blonde, um abends bis in die Puppen im LuisenEck zu hocken und wartete, bis Paule abschloß. Die langsamen Veränderungen fielen den meisten Gästen nicht besonders auf; möglicherweise interessierte es sie nicht einmal. „Mann ist Mann“ meinte ja Otti, und „Frau ist Frau“ meinte Luise, na und „Kneipe ist Kneipe“ dachten die Gäste. Sie wollten sich da untereinander treffen und nicht den Wirt besuchen. Wenn der also sympathisch war, warum sollte man die Kneipe wechseln. Das „Luisen-Eck“ blieb weiterhin das Luisen-Eck, und von den alten Stammgästen hatten ihm auch weiterhin einige die Treue gehalten. Paule und Gerhard schmissen den Laden,und nach einiger Zeit dachte kein Mensch mehr an den schönen Ottokar mit seiner Quetschkommode, und auch Luise geriert verhältnismäßig schnell in Vergessenheit. Gelegentlich trafen sich ein paar alte Stammkunden zu einem kleinen Schwatz, Sogar Opa Schumke hatte noch immer sozusagen Bleiberecht.

Nur die Semmler saß ständig beim Schuhmacher herum und wartete auf ihre Schuhe. „Wat hat die denn für Beene“ erkundigte sich eines Tages der Briefträger, weil beinahe jedesmal, wenn er die Post austrug, die Semmler gerade aus der Schuhmacherei kam. „Die is uns‘re Morjenpost“ hatte Opa Schumke ihn dann einmal aufgeklärt. „Die riech Katzendreck im Dustern!“ „Den kann ick doch nich dumm sterben lassen“ erklärte er Paule. „Die ist jefährlich. Die hört det jras wachsen.“

Und weil ich dabei war, eilends die Straße zu überqueren, stieß ich fast mit Detlef Wilke zusammen. „Nanu“ riefen wir beide wie aus einem Munde und mußten lachen. „Auch mal wieder im Lande?“ fragte ich. „Nur auf  nen Katzensprung die Eltern besuchen“ sagte er und wandte sich bereits zum gehen. „Bin in Eile“ rief er und winkte ohne sich umzudrehen nach rückwärts. Als ich endlich wieder se war und meine Einkauftstüten leerte, klingelte das Telefon. Festnetz. Wer will nun schon wieder etwas? „Ich   habe   frei!“  Es war Luise. „Es ist soweit“ sagte sie fröhlich, und dann erzählte sie mir fast eine Stunde lang, wie weit es sei. Ich hörte geduldig und aufmerksam zu und freute mich natürlich auch über all die guten Aussichten und die aufregenden Neuigkeiten. Mein Arm schlief ein, meine Ohren waren heiß. „Luise du gute“ sagte ich schwach, „wir kommen vorbei. Dann kannst du uns alles erzählen. „ „Wer wir`“ fragte sie. „Bist du mit Bernhard zusammen?“ „So fragt man Leute aus“ antwortete ich und legte den Hörer auf.

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