Meine Stadt – Meine Liebe * Berufsleben (5)

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM GEBURTSTAG (5)

Falls jemand zu der irrigen Annahme verleitet wird, es könnte sich um meinen Geburtstag handeln: mitnichten. Irgendein Herr in irgendeiner Position, der zu den Honorationen aus Zeuthen gezählt werden mußte, aber dem die Übersiedlung nach Westberlin bereits gelungen war, wurde ein Jahr älter, und meine drei Musketiere beschlossen, ihm aus alter Tradition ein Geburtstagsgeschenk zukommen zu lassen, was ihn ganz besonders als Erinnerung an alte Zeiten erfreuen würde. Womit man ihn besonders erfreuen könnte, stand bereits außer Zweifel.

„Also Hilde, sie gehen in die Eisenbahnhalle und holen von dem Fischhändler, der gleich den ersten Stand am Eingang hat, einen lebenden Aal. Der packt den gut ein, und dann bringen Sie ihn her. Einer von uns wird dann das Geschenk abgeben. Der Mann ist nämlich passionierter Angler. Wenn Sie wissen, was das bedeutet. Na, wie sollten Sie denn. Sicher nich. Nichwa?“ Also ging ich durch die Manteuffelstraße und dann über den Lausitzer Platz in die Eisenbahnstraße und dann in die Markthalle und dann zu dem Fischhändler wie beschrieben und verlangte einen lebenden Aal. „Aber bitte gut einpacken!“ „Aber sicher Kindchen. Hier kaufen kleine Fräuleins am laufenden Band lebendige Aale. Achherrjeh. Wer hat dich denn jeschickt,, Kleene?“ „Na, mein Chef. Ist das denn gefährlich?“ „Nö, jefährlich isses nich!“ „Na also!“ Er faltete den lebendigen Aal zu einem S zusammen und packte ihn fest in Zeitungspapier ein und band sogar noch ein bißchen Strippe drumrum. Ich fand das eine Tierquälerei, aber ich hatte ja nichts zu entscheiden. „Am besten preßte‘n untern Oberarm, so. Feste andrücken, nich locker lassen. Haste es weit?“ „Na ja, Reichenberger -“ „Halt bloß jut feste, Mädel.!“

Unter meinem Oberarm randalierte der Aal wie verrückt und der Weg wollte kein Ende nehmen. Ich hatte nicht gewagt, den Arm zu lockern und hätte gerne geweint. Aber dann war ich doch endlich wieder im Büro angekommen. Ich bummerte mit der Fußspitze gegen die Tür und der Braune (Herr Rebs) öffnete sie .„Na hamse‘n“Fragte der Doktor.“Ja“ sagte ich, lockerte über dem Schreibtisch den Arm und ließ das Paket fallen. Es machte einmal flutsch und der Bindfaden schoß davon. Danach das durchnäßte Zeitungspapier und der Aaal wand sich, wild um sich schlagend, über den Schreibetisch, zog eine dünne Blutspur hinter sich her und landete auf dem Fußboden. Der Doktor saß kreidebleich am Schreibtisch und der Panzerkommandeur drückte sich in die Ecke hinter der Eingangstür. „Hillllde, fangen sie ihn ein“ hauchte der Doktor, und Schulze Willi, der die ganze Zeit schweigend hinten in der Ecke neben dem Schnellkocher und der Kaffekanne Schutz gesucht hatte, blieb stumm wie ein Fisch. Der Aal schlingerte über den Fußboden, und zwar bemerkenswert schnell. Hilde griff blitzschnell nach ihrer Handtasche, quetschte sich durch die Tür und rief heiser: “Ich hole Hilfe“, und von drinnen wurde die Tür schnell wieder geschlossen. „Hilde ging eine Treppe höher zu Herrn Minkwitz, erzählte kurz die interessante Story und bat ihn, als Retter in Erscheinung zu treten.Wobei noch zu klären war, ob er den Aaal oder das Militär retten sollte. Aber zunächst mal machte er gar nichts und sagte:“die lassen wir mal‘n biskin schmor‘n. hm?“    „Hm Hm“ griente ich. „Die hätten doch dem Angler ooch n‘ Bückling koofen können. Wat soll der denn jetz mit dem armen Tier anfangen!“ „Na, erst muß er es doch haben!“ „Haste ooch recht.!“ „Also, ich mach mir nichts aus Fisch!“

Am nächsten Tag ging ich mit gemischten Gefühlen zur Arbeit. Ich fürchtete Vorhaltungen und Zurechtweisungen. Im Geiste suchte ich schon Antworten auf noch nicht gestellte Fragen. Aber man soll‘s nicht für möglich halten. Es ist von niemanden auch nur mit einem einzigen Wort dieser Zwischenfall diskutiert worden. Am wenigsten von mir. Ich war froh, daß dieser Vorfall bereits der Vergessenheit anheim fiel. Und die anderen drei (Kriegs-) teilnehmer waren wohl auch froh, daß dieser Überraschungsangriff durch den Firniskocher abgewehrt
und letztlich wohl der Feind vernichtend geschlagen worden war,

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