Hildegard allein zuhaus

  Hildegard allein zuhaus?

Seit gestern nicht mehr! Gemütlich verbringe ich den späten Nachmittag, habe mir für abends etwas vorgenommen und dann auch noch als Krönung etwas für die Nacht eingeplant. Ein paar Stunden ganz nach Lust und Laune, und auch   n u r    f ü r   m i c h ! Also, Kaffee habe ich schon frischen gekocht, telefonieren is nich mehr heute und Hausarbeit und allens solchen Kram: n e i n. Heute nicht !!!. Schon lange nicht mehr Cole Porter gehört. Vertraute Melodien. Der Vorrat:   3  CD‘s, 42 Titel. Der Abend ist gerettet. Dachte ich.

Also, erst kitzelte es mich andauernd am Hals; Was soll das, Ich bin doch nicht nervös? Nach einer Weile habe ich das Gefühl, daß sich meine Haare mitten auf dem Kopf bewegen. Von selbst. Bis gestern war ich doch noch ganz normal? Manche Symphtome treten ja plötzlich auf. Aber dann merke ich, daß sich eine verhältnismäßig kleine Fliege auf die Stehlampe setzt. Wahrscheinlich hat sie sich die Beine verbrannt, denn die Birne war heiß. Na gut, ich habe sie einfach ignoriert. die Wohnung ist große genug, da ist notfalls Platz für und beide. Sie fliegt eigentlich in einem ruhigen, ausgeglichenen Tempo hin und her und ist unentschlossen, wo sie sich nun mal für eine Weile niederlassen könnte. Ich ignoriere das total und schreibe konzentriert weiter.

Plötzlich landet sie unangemeldet auf meinem Handrücken; das kitzelt, denn sie krabbelt – und ich gebe ihr zu verstehen, sie soll machen daß sie wegkommt sonst blüht ihr was. Meine Tierliebe hält sich in Grenzen, überhaupt für alles, was krabbelt oder fliegt und verhältnismäßig klein ist. Na irgendwann war sie verschwunden und ich mit meinen Hobby‘s beschäftigt. So gegen 1 Uhr nachts trafen wir uns dann in der Küche wieder, wo sie andauernd um mich kreiste und offensichtlich noch nicht müde war. Ich hatte auch mit dem Latschen daneben gehauen, und mir war es egal, was aus ihr geworden war. Ich sah sie nicht und ich hörte sie nicht.

Gestern hatte sie sich noch einigermaßen zivilisiert verhalten, aber heute bringt sie mich zum Wahnsinn. Irgendwann heute Mittag erschien sie wieder, und ich war überrascht und erschüttert, denn ich hatte längst gehofft, ihr Leichnam läge in irgendeiner Ecke und würde zu einer Korinte vertrocknen. Seit heute Mittag krabbelt sie andauernd über den Bildschirm herum und dann wieder über den Rahmen des Computers, und wenn ich mit einem dicken Block nach ihr schlage, fliegt sie einfach weg. Auch hatte sie sich gestern sehr träge bewegt, während sie heute wie eine Irre andauernd den Patz wechselt. Mein Unterarm – da landet sie einfach. Das killert. Da, jetzt fliegt sie rum wie verrückt und geht wieder zu Fuß über den ganzen Bildschirm, über den Rahmen. am Rahmen entlang unten – irgendwie hat die überhaupt jeden Respekt verloren. Ich will mich ja nicht selbst vergiften, sonst hätte ich schon längst irgend so eine Gemeinheit gesprüht.

Uberhaupt hat sie bis heute abend ein bemerkenswertes Temperament entwickelt. Immerfort sitzt sie wo anders, aber nicht innerhalb der Wohnung, sondern oberhalb von mir! Soeben hat sie meinen linken Ellbogen verlassen, um wieder einen Fußmarsch über den oberen Computerrahmen zu machen, die Bestie. Die wird einfach nicht müde. Ich werde meine Pläne für heute abend ändern müssen. Also, im Unterschied zu gestern – die kommt mir vor, als hätte sie was eingenommen. Steht doch gar nichts rum? Die rennt buchstäblich über den Bildschirm – ob es die Wärme ist, die sie so wild macht? Ich werde jetzt leise Musik machen. Die Musik kommt aus dem Computer, denn ich habe sie ja mal da rein gespeichert. Sie, die Fliege – türmt jedes mal im rechten Augenblick, wenn ich ihr den dicken Briefumschlag überbraten möchte. Vielleicht bin ich nicht schnell genug. So eine zermanschte Fliege auf dem Bildschirm – ach nö!,

Ich versuche es mal mit Jim Reeves. Der ist so sanft, vielleicht wird sie müde. Noch rennt sie hier wie irre auf dem Computer hin und her – warum fliegt sie nicht mal wieder – hat doch Flügel. Wie lange lebt denn so eine Fliege? Hoffentlich ist sie morgen weg. Ich gehe jetzt in das andere Zimmer und werde lesen. Wehe, wenn die da auch noch auftaucht. soll sie hier weiter ihre Spaziergänge machen. (Sie ist wieder entkommen. Der Briefumschlag ist schon ganz krumm.)

Also, ohne Flachs: die rennt wie wildgeworden über den großen Bildschirm hin und her, Das ist doch keine Fliege, das ist eine Laufe. Das hält ja nicht mal Jim Reeves  aus.

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