Gesellschaft

Gesellschaft

kann man sich ja leider nicht immer aussuchen, aber eine schweigende ist mir meistens am liebsten. Als ich heute wach wurde, saß eine Fliege auf dem Kopfkissenzipfel. Aber es war eine ziemlich kleine. Die saß da nur. Sie wird ja über Nacht nicht  zusammengeschrumpelt sein. So machte ich das Fenster weit auf, denn die Sonne schien schon ziemlich freundlich, aber es war noch angenehm kühl. Wenn ich Fliege wäre und die Auswahl zwischen Natur und Frühlingsluft und einem Klatsch mit dem Notizblock hätte, würde ich das Fenster wählen. Das tat sie – selbst Fliegen haben ihren Anteil an Intelligenz.

Aber nun ist der Bildschirm an und leuchtet hellblau, und wer hat sich soeben eingestellt und läuft auf dem oberen Rand spazieren? Die von gestern. Und ist auch sofort dem Hieb mit dem braunen Umschlag entronnen. Zwei Waffen liegen griffbereit – keine trifft.

Eine Fliege ist eben eine Fliege. Mann kann es schlecht umschreiben. Es ist doch kein Fluggerät. Eine unbestimmte Abneigung und leichter Horror mach sich breit, wenn ich mich an das Buch „Herr der Fiegen“ erinnere, das mir noch immer einen leichten Schauer über den Rücken jagt. Meine Kinder hatten es zu der damaligen Zeit auch gelesen und dann schauerten wir oft noch Jahre danach gemeinsam, wenn wir uns daran erinnerten. William Golding hieß der Mensch, der diese Geschichte (erdachte?) aufschrieb, die uns ein bißchen das gruseln lehrte. Ich weiß nicht mal, ob es heute noch bekannt ist. Aber man sollte es wirklich lesen.

Meine Fliege, ich nenne sie jetzt mal Madame, geht augenblicklich noch zu Fuß auf dem oberen Rand des Computers spazieren, aber gemessenen Schrittes; nicht so hektisch wie gestern abend. Aber sie fängt ja mal gerade erst mit dem  Training an. Musik gibt‘s heute nicht, sonst gewöhnt sie sich daran. Oder soll ich ihr mal den Fehrbelliner Reitermarsch blasen lassen?

Und ich erinnere mich an Sartres „Die Fliegen“ Die hatten seinerzeit viel Aufsehen erregt. Wo Jupiter dem König Ägisthos die Bitte versagt, Orest zu zerstören (zu zerschmettern.)

„Das schmerzliche Geheimnis der Götter und der Könige ist, daß die Menschen frei sind.
D u, K ö n i g,  w e i ß t e s,  a b e r    d i e   M e n s c h e n  w i s s e n   e s   n i c h t. Wenn einmal die Freiheit in einer Menschenseele aufgebrochen ist, können die Götter gegen diese Menschen nichts mehr tun!

Viele Parallelen hat das Stück. Man sollte „Die Fliegen“ wieder aufführen. Ich laß meine Fliege auch leben. Heute geht sie ganz manierlich oben auf dem Rand hin und her. Und nicht wie eine Irre. Sie hat sicher auch ihr Schicksal und ihre Mission. Ohne sie hätte ich jetzt keine Erinnerungen heraufbeschworen.

Ich werde wieder anfangen, mehr zu lesen. Immer nur dichten und schreiben und fotografieren und reden – jetzt kommt wieder mein Lieblingszitat: Aber ab morgen….. (wie gesagt, da lachen ja die Hühner!)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s