SPLITTER (2)

b(Erinnerungen – Erfahrungen)

So wie in meinem Gedicht: „Plötzlich aus dem Dunkel lösen sich die Bilder, die man nicht gerufen hat“ ist die Erinnerung zwar in den Hintergrund getreten, weil man ja im Alltag genügend zu bewältigen hat, aber in ruhigen Stunden kommt sie wieder hervor, denn schließlich: sie ist ja da. Und sie läßt sich auch nicht verdrängen. Selbst wenn sie längst bewältigt ist; als ob man beschriebene Seiten abheftet und irgendwann mal wieder liest. Das ist schon recht sonderbar mit den Erinnerungen und wie man‘s nimmt, recht wunderbar mit dem Gedächtnis. Das macht ja zeitweise auch einfach, was es will. Vollkommen unangemeldet kramt es da in der Mottenkiste und erinnert sich an Dinge, die man längst vergessen glaubte und die in eine ganz andere Zeit gehören. Das Gedächtnis braucht einfach nur mal ab und zu ein Stichwort, und schon läuft in den meisten Fällen ein Film ab.

„In einer längst vergangenen Zeit“ hatte sich mit der Kindheit beschäftigt, wozu mir sicher noch viele Dinge und Erlebnisse wieder einfallen werden. „Meine Stadt – Meine Liebe“ beschäftigt sich mit den Berufsjahren, und „Geschichten“ mit eigenen Erlebnissen. Bis auf die fantastischen Geschichten mit Wasfragstemichdennandauernd“ und „Dashabeichjagleichgewußt“ denke ich mir keine Geschichten aus, dazu fällt mir gar nichts ein. Die übrigen haben immer einer wahren Kern und gehen auf persönliche Erinnerungen an Begebenheiten und Personen zurück.

Ich habe aber bemerkt, daß das Unterbewußtsein sofort unterdrückt wird, wenn es sich um die Zeit vom 2.2.1945 bis zum 6.5.1945 handelt, und ebenso gerne die Nachkriegsjahre bis Ende vierziger, Anfang der fünfziger Jahr einfach ausspart. Auch teilweise die Zeit des gespaltenen Berlins.

Es ist ein Fehler zu glauben, ich habe so eine Art Aufarbeitungsprogramm. Das ist falsch. Ich lebe jetzt, arbeite jetzt, hoffe auf die Zukunft und beschäftige mich mit dem Vergangenen nur, weil mir öfter versichert wurde, daß müßte sein, um die derzeitigen Generationen über die Vergangenheit zu unterrichten. Na, das kann ja nicht verkehrt sein. Denn rosig waren die Zeiten nie, für keinen von uns, und für die Anderen vor uns auch nicht. Und wenn man das alles begriffen hat, bekommt man automatisch Respekt vor dem Dasein. Oder Hiersein, wie man es nimmt. Und das betrifft alle Menschen, nicht nur die in unserem Kulturkreis. Deshalb muß man die Sternstunden genießen und dankbar sein, wenn das Leben Privilegien zuteilt. Ich bin fest davon überzeugt, daß es zuteilt. Wer oder was ist die Frage, aber Einfluß nehmen können wir nicht.

Berlin, den 24.06.2014/Lewi

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