Noch’n Gedicht

noch‘n Gedicht

Das ist eine irreführende Überschrift und ist den Aussprüchen Heinz Erhard‘s entlehnt. Man muß ja immer wieder auf sich aufmerksam machen, nicht wahr. Im Jahre 1990 mußte man das als Berliner – Hoppla, ich bin auch noch da. Denn es war ja ein Sturm über West-Berlin hinweggebraust und überall wimmelte es von neuen Bundesbürgern, die in größerem Maße Wohnraum beanspruchten. Auch Arbeitsmöglichkeiten mußten geschaffen werden. Es war eine heiße Zeit und ich erspare es mir, darüber zu berichten, denn schließlich, ich lasse ja nur die Zeit der WM Revue passieren.

Zu dieser Zeit arbeitete ich bei einer großen Kanzlei und betreute nur einen einzigen Mandanten, einen Ableger eines Berliner Bildungsinstitutes. Da hatte man es ja mit einer ganz anderen Klientel zu tun – und oft dachte ich so: Ach du meine Güte! Aber das nur am Rande. Also, über meine Erlebnisse könnte ich da schon ein Buch füllen, aber darum geht es ja gar nicht (leider!) Es geht ja um etwas unerhört Wichtiges, nämich um die WM 1990. Diese Zeit war besonders für die Berliner brisant, und wie meine Mutter und auch die Oma bei früheren Anlassen mahnten: „Darüber schweigt des Sängers Höflichkeit.“ Denn zu dieser Zeit hatte man ja auch verhältnismäßig oft geschwiegen. Nicht verschwiegen – geschwiegen. Das ist ein Unterschied. Also, ich schweige.

Aber natürlich hatte ich wieder eine Menge Herren im Gefolge; die beiden noch in einem anderen Ressort arbeitenden Damen teilten sich gewissenhaft die Alleinunterhalter. Anläßlich einer internen Feier, oder sagen wir lieber geselligen Beisammenseins anläßlich der WM hatte man schon reichlich dem Alkohol zugesprochen, aber wie gesagt – ich trinke bloß immer Kaffe und untermauere damit stets meine Unbeliebtheit, wenn man mal so richtig „aus sich heraus“ gehen will. Ich will einfach immer nicht aus mir heraus. Schrecklich! „Und jetzt trinken wir alle mit Frau L Brüderschaft“ verkündete mir einer der Herren, der mir schon früher einmal anvertraute, daß er rosa Bettvorleger hat. Na ja, „Das machen wir nun mal alle nicht!“ sagte ich sehr freundlich und lächelte mein entzückendstes Lächeln. Die Stimmung kippte, ich nahm meine Handtasche und ging. Es war stets ein Handicap, daß ich jünger aussah als ich war.

In der S-Bahn Richtung Heimat war es rappelvoll und eine Bombenstimmung. Ich wude mit Hallo begrüßt, als ob die alle gerade noch auf mich gewartet hatten. „Los, komm her Kleene“ sagte ein großer Blonder und rutschte ein bißchen zur Seite. „Wat willste, Bier oder Appelsaft?“ Ich mußte lachen „Appelsaft“. Den gab es in so kleinen Flaschen, ich glaube so 0,2 l. Na, denn.. knallte man ein bißchen die Flaschen gegeneinander. Wenn ich mich recht erinnere,  ging es um das Spiel Deutschland-Niederlande, aber so genau weiß ich es auch nicht mehr. Da gab es u.a. so eine skandalöse Szene, wegen der Spuckerei zwischen einem holländische Spieler und Rudi Völler. Kliensmann und noch einer schossen die deutschen Tore.

Na, jedenfalls, Trotz Appelsaft pur kam ich beschwingt nachhause und kann mich nicht erinnern, ob ich noch weitere Begegnungen anläßlich der WM hatte. Ich glaube, die Spiele fanden in Italien statt? Aber mit meinen Italienern hatte ich derzeit leider nichts zu tun. Schon aus Zeitgründen. Und Deutschland wurde zum dritten Mal Weltmeister` Ich hatte aber eine Menge anderer Sorgen.

Berlin, den 3. Juli 2014/Lewi

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