SPLITTER (4a)

Tobias Christoph Feilner schien sich ohnehin in der Rolle des Handwerkers und des Fabrikanten wohler zu fühlen als  in der des Künstlers. Aus der ehemaligen Höhlerschen Töpferei mit ihren sieben Angestellten wurde eine Fabrik mit mehr als hundert Beschäftigten und die Attraktion der Straße. Doch auch, wenn sich immer mehr neugierige in der Straße einfanden und der Erfolg schmeichelte, änderte Feilner seine Gewohnheiten nicht. Zeit seines Lebens fuhr er mit seinem Kutscher Schröder persönlich zu den Kunden, sah nach dem Rechten, „zog die Weste aus und legte selbst mit Hand an, wenn es nötig war,“ Sein Mittagessen nahm er in einem kleinen Holzzimmer ein, das als Kontor diente, und von wo aus er das ganze Fabrikwesen überschauen konnte. „Da roch es nach schlechtem Kaffee, den Schröder in lappigen Löschpapiertüten drüben von Musje holte, und nach dem besseren Tabak, den Meister Feilner aus langer weißer Tonpfeife schmauchte.“ Abends dann saß er über Büchern und Ordnern und wurde nicht selten am nächsten Morgen von Schröder schlafend am Schreibtisch gefunden.

Feilner war ein braver Handwerker, kein Haudegen, kein Lebemann. Ein Schoppen Wein am Wochenende und „ein Kegelclub in der benachbarten Tabagerie“ Das genügte ihm. Ab und an feierte man einen Geburtstag, doch nicht viele, da von den sechs Kindern Feilners nur zwei groß wurden. Seine Frau, die Tochter eines betriebsamen Musikers, war zwar musikalisch, doch war ihr nach Tanz nicht zumute..Sie lahmte und lag am liebsten auf dem geblümten Sofa. Gegssen wurde auf den Festen zwar standesgemäß, doch bedächtig. Ein Gelage gab es nicht, und es soll Gäste gegeben haben, die verärgert die Tafel verließen, da man um sieben Uhr noch immer nicht beim Braten angelangt war, obwohl schon um halb Vier das Rindfleisch gereicht wurde. So ging alles seinen Gang, und so hätte es auch weitergehen können, bis zum Schluß.

Aber dann trat doch noch eine Wende im Leben des Handwerkers ein. Schinkel entdeckte den Kachelkünstler und sann darüber nach, die großen Flächen seiner Ziegelbauwerke mit den glänzenden Produkten Feilners zu verblenden. Feilner bekam den Auftrag, die Werdersche Kirche mit Ornamenten aus Keramik zu verzieren. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn schuf er Fresken und Skulpturen.Wieder war der Erfolg groß, Doch während Schinkel an weitere Prachtbauten dachte, wuchs in Handwerker Feiler, wie Schinkel selbst es formulierte, „der Wunsch, diese Fabrikation noch gemeinnütziger und für gewöhnliche Bürgerhäuser nutzbar zu machen.“ Also entschlpß sich Feilner, in der Hasenhegerstraße ein Haus für seine Familie zu bauen. Schinkel, so schreibt man, schenkte Feilner einen Entwurf, doch so pompös wie Schinkel zeichnete, wollte Feilner nicht bauen. „Das Unbehagen des einfachen Handwerkers“ dem „ein so prächtige Rahmen für seine Lebensgewohnheiten“ zu unbescheiden schien, war stärker als der Respekt genüber dem Stararchitekten..Feilner realisierte nur einen Teil von Schinkels Plänen.

Und den interessanten Rest dieser bemerkenswerten Story – mal sehen. Morgen ist auch noch ein Tag! Hoffentlich nicht so heiß – klebt einem ja alles am Körper.

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