SPLITTER (7)

Kopfzerbrechen

Immer wenn ich durch die Schönhauser Alle laufe und die Gleimstraße überqueren will, die durch den Gleimtunnel mit Gesundbrunnen verbunden ist, stelle ich mir den Rest des Heimweg‘s alle paar Minuten die Frage, wer oder was verdammt ist denn Gleim, das hast du doch irgendwann einmal gelernt oder zumindest gelesen. Vielleicht ein besonders festklebender Leim? Gleim?
Nein?

Zur Zeit ja weniger, weil ich meistens schreibe, aber früher habe ich wirklich ein Buch nach dem anderen gelesen, sehr viel Geschichte, Historie, Sagen, Überlieferungen, Tatsachenberichte, Biografien – alles durcheinander und hintereinander, wenn es nur interessant war. „Jeder Mensch hat die Freiheit, sich seinen eigenen Fimmel zu leisten“ sagte mal der sehr nette Herr Drescher zu mir. Ich hatte mir auch sehr viele Bücher schicken lassen, dann saß ich zum Beispiel im Winter, wenn ich aus dem Büro kam, Mit Stiefeln, Mantel und Pelzmütze im Lieblingssessel, um das neue Buch „anzulesen.“ Das dauerte manchmal mehr als drei Stunden, und meine Mamma kam einige Male ins Zimmer, machte unfreundliche Andeutungen, was sie von meinem Geisteszustand hielt und ich sagte: „Mamma, nur noch eine Seite!“ Dann blickte sie hilfesuchend zur Zimmerdecke und sagte leise vor sich hin:“vor mir hat sie das aber nicht!“

Nun, kriminologische Forschungsmethode, bei Namen zunächst immer Preußen.Und dann fiel es mir wieder ein. Der „Halberstädter Dichterkreis“.Lauter nette Herren, die sich da im jugendlichen Überschwang der Dichtkunst und Literatur hingaben. Man muß nur immer auf die Jahreszahlen achten, denn ein Jahrhundert später hatte man ja auch noch eine Menge Kreise, die sich mit allem möglichen befaßten. Und Damen wollte man ja nicht unbedingt haben. Mich hätten sie bestimmt auch nicht gewollt. Ich schreibe ja nicht nur, ich rede ja auch noch viel.

Klopstock, Mendelssohn, Herder, Kleist, Johann Heinrich Voß, Johann Gottfried Seume. Also, inzwischen mache ich es immer umgekehrt. Ich habe so einige Namen im Kopf, und wenn ich dann durch Zufall an die oder in die Straße dieses Namens gerate, dann sage ich: Aha!

Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Schrieb Fabeln und Romanzen, Gedichte nach Walther von der Vogelweide, Mondgedichte.

Und wenn man schon durch die Gleimstraße spaziert, ist da gleich nebenan dar Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportplatz und die Max-Schmeling-Halle.

„Weeßte schon det Neuste? Schmeling boxt mit Fäuste!“

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6 Kommentare zu “SPLITTER (7)

      • Nächsten Mittwoch bin ich in Lichtenrade, da geht es (von Kreuzberg, Tempelhof ) auf der Rückseite vom alten Flughafen hoch, vorbei am Schufahaus und immer gerade (Lichtenrader Damm) aus, bis Lichtenrade sich zeigt. eine langweilige Strecke, wie wäre der Weg an Siemensstadt vorbei nach Spandau?

      • Na, auch nicht berauschend. Lichtenrade wird Dich mit Böllerschüssen begrüßen und die Feuerwehrkapelle wird einen Marsch spielen. Wenn dann alle Patienten die Anwendungen überlebt haben, wirst Du mit Pauken und Trompetenbegleitung wieder heimwärts entlassen. So ist Lichtenrade – zu seinen Besuchern!!! 😀 😀

  1. Ist doch besser, als wenn man bei Kerzenschein in der Dachkammer frierend gewichtige Gedanken wälzt über den Zustand der Welt. Das mache ich auch beim Spazierengehen, bloß da ist das Ergebnis der Überlegungen meistens ein anderes. LG

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