SPLITTER (13)

Carpe diem

WordPress har überraschenderweise schon wieder ein paar Neuerungen erdacht, die, in diesem Falle könnte man beinah sagen, zum Glück überhaupt nicht funktionieren. Jedenfalls nicht bis zum derzeitigen Augenblick. Also muß man zunächst versuchen, sich erst mal in Geduld zu fassen und die Zeit nutzbringend anzuwenden, die man sonst zwangsläufig vertrödeln würde. Die ganze Planwirtschaft kommt doch schon wieder durcheinander!

Wo waren wir stehengeblieben? Beim Mauerbau! Und beim Leben mit der Mauer wird es weitergehen. Zwangsläufig, denn immerhin – siebenundzwanzig/achtundzwanzig Jahre, das ist schon eine bemerkenswerte Zeit. Und außerdem ist es bemerkenswert, daß man sich in diese Situation hineingefunden hatte und ein eingesperrtes, aber trotzdem ganz normales Leben gelebt hatte. Mein Sohn ging in die Schule, meine Tochter in den Kindergarten, meine Mutter besuchte regelmäßig jeden Sonntag Tante Anna, mein Bruder frisierte die Damen und wenn uns danach war, setzten wir uns auch mal am Abend in eine der kleinen gemütlichen Kneipen und erzählten von alten Zeiten. Nur einmal hatten wir da ein Fiasko erlebt, als wir in der Eisenbahnstraße in einer dieser erwähnten kleinen Kneipen „Hausmarke“ tranken und später danach zuhause Gelegenheit hatten, herauszufinden, wer von uns beiden zuerst den Abgang macht.

Und etwas war ja auch von Anfang an bemerkenswert: die Kino‘s überschlugen sich mit tollen Filmen. Wann hätte man sonst je Gelegenheit gehabt, all die wunderbaren französischen Filme anzusehen? Oder die amerikanischen? Und die englischen? Das Kino am Heinrichplatz hatte am Sonnabend immer zwei Nachtvorstellungen, da konnte man, wenn man genügend Sitzefleisch hatte, praktisch drei Filme, immer einen anderen, ansehen. Und danach – also irgendwo war noch geöffnet – war ja Wochenende. Also wenigstens ein Stündchen und noch ein Bier…..

Die Kriegsschäden waren ja noch lange nicht behoben und es gab schon noch genügend Ruinengrundstücke. Damals fuhren in Berlin noch einige Straßenbahnen und viele U-Bahnlinien gab es damals noch gar nicht. Will sagen, die gab es schon, aber sie sind im Laufe vieler Jahre erst auf ihre derzeitige Länge angewachsen. Und woran ich mich auch heute noch immer gerne erinnere: Sonnabends sind wir ausgegangen, Sonntags sind wir spazieren gegangen. Schön angezogen und gemächlichen Schrittes durch die Anlagen, durch den Tiergarten oder in den Zoo. Oder nach Schildhorn, Kaffee trinken. Und am Sonnabend sind wir zum Ku-Damm gefahren. Entweder mit der U-Bahn bis Wittenbergplatz und dann die Tauentzien mit Abstecher ins KADEWE oder bis Enstation.

Dann gab es auch eine Unzahl Ballhäuser, und im Resi in der Hasenheide waren wir schon öfter anzutreffen, oder in Kliem‘s Festsälen. Und an den Verkehrsknotenpunkten stand ein Schutzmann mit weißen Stulpen über den Ärmeln der Uniform auf einem Sockel und regelte den Verkehr. Es waren auch die Berliner Markthallen wieder nach dem Kriege in Betrieb, so daß das Einkaufen auch immer ein Erlebnis war. Wenn der Sommer heiß war, bin ich mit den Kindern zum Prinzenbad gelaufen, wo sie auch ein Planschbecken hatten und eine Menge kleine Kinder sich dort tummelten.

Trotz allem beschlich uns oft leise Wehmut, weil wir nicht mehr in die Altstadt gehen konnten, die, abgesehen davon, daß sie so gut wie total zerstört war, uns trotzdem immer zu gelegentlichen Spaziergängen animieren konnte. Da fingen unsere Gespräche oft: „Kannst Du Dich noch erinnern…“ oder; „Weißt Du noch, wie Papa immer hinten herum zur Markthalle am Alex…“ Oder ich sagte: „Siehst Du, hier hat meine Kinderärztin gewohnt und dort war die Apotheke…“ Da habe ich meinen Hustensaft abgeholt. Mit Anis Ammoniak. In einer braunen Flasche. Es war ein handgeschriebenes Etikett darauf mit meinem Namen und über dem Verschluß war ein gefältetes weißes Käppchen mit einer rot/weißen gekordelten Schnur umwickelt. Manchmal waren die Enden sogar mit rotem Siegellack auf dem Etikett festgeklebt. Also, original abgefüllt und – „Zack“ (würde Loriot wahrscheinlich in diesem Falle sagen.)

Es war eine schöne Zeit, was das menschliche Miteinanderleben betraf und in einigen Fällen auch langjährige Freundschaften entstanden. Man hatte – oder man hatte nicht. Man war – !

Eigentlich wollte ich über Kennedy‘s Berlin-Besuch erzählen, aber nun bin ich wieder ganz wo anders gelandet. Also, muß ich noch eine Geschichte schreiben! Hoffentlich klappt das bald bei WordPress. Also, so schnell gehen aber auch die Themen nicht aus. Keine Angst!

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