SPLITTER (31)

SPLITTER (31)

Bauern und Pferde

In der länglichen Blechkiste, die seit ewigen Zeiten auf dem oberen Einlegeboden steht, war eine Menge Kram verborgen, an den ich mich schon fast nicht mehr erinnern konnte. Ein kleines Notizbuch von 1984, ein Paßbild von Papa aus den Hungerjahren, auf dem er ziemlich elend aussieht, eine BVG Monatskarte von 1992 und eine vergilbte Zeitungsseite. Auf der einen Seite eine Kurzgeschichte, auf der anderen ein Kreuzworträtsel und ein Silbenrätsel sowie eine Schachaufgabe mit abgebildetem Schachbrett.

Dann sitze ich abends im Sessel, trinke Kaffee und döse eine Weile vor mich hin – überlege, daß bestimmt Mama mal die Seite irgendwo ausgerissen hat um die Rätsel zu lösen. Dazu ist sie aber nicht mehr gekommen und ich habe die Seite als Andenken in die Kramkiste gelegt. Und dann schaue ich, mit den Gedanken ganz weit weg, auf das Schachbrett. Dann sehe ich viele Weihnachten vor mir, an denen mein Sohn mit einem guten alten Freund, unserem Schotten, der leider bereits verstorben ist, am Wohnzimmertisch sitzt und Partie um Partie Schach spielt. Dann hatte ich ihnen Tee gekocht und belegte Brote hingestellt, weil sie einfach nicht aufhören wollten bis mitten in die Nacht hinein. Ein versierter Schachspieler ist auch ein Familienangehöriger, und dann war es eben ein anderes Team, das bis in die frühen Morgenstunden Zug um Zug machte. Mit der vergilbten Seite in der Hand und den durcheinander purzelnden Gedanken erinnere ich mich an ein schmales Buch „Die Schachnovelle.“ Ich sehe Curd Jürgens in der Verfilmung vor mir. Buch und Film und auch der Darsteller sind mir immer gegenwärtig geblieben. Und letztlich dann auch der Sketch mit Rolf Herricht und Hans Joachim Preil: „Das Schachspiel“. Diese beiden Darsteller waren einfach absolute Spitze und die Logik von Herricht umwerfend. Ich denke mal, diesen Sketch kennen wirklich noch einige Leute. „Was, sie schlagen mein Pferd?“

Zum Schluß erinnere ich mich an die Schachweltmeisterschaften, die im Fernsehen übertragen wurden und die wir immer mit Spannung angesehen hatten, selbst meine Mama. Ein paar Namen sind hängen geblieben, Boris Spaski z.B., Anatoli Karpow, Gari Kasparow.

Dann erscheint wieder Curd Jürgens vor meinem geistigen Auge in „Fähre nach Hong-Kong“. Und Hape Kerkeling als verkleideter Araber, der sich ein Schachduell gegen einige Schach(Welt-?)meister leistet. Das kann ich mir einfach nicht bis zum Ende ansehen. Aber Gott, die Leser werden es sicher kennen. Sonst gibt es wohl auch auf YouTube eine Aufzeichnung.

Abschließend: ich bin eine lahme Ente. Ich spiele nicht. ich habe nicht den Ehrgeiz zu gewinnen. Bei Quizfragen bin ich dann schon mal eher interessiert dabei, aber meistens darf ich nur daneben sitzen. „Du spielst nicht mit“ wird immer gleich am Anfang verkündet.

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