SPLITTER (49)

Berliner Geschichte(-)

Ja, man ist ein Berliner Kind, das sollte man einfach nicht vergessen. Von Zeit zu Zeit erfolgen ja immer Anstöße, wenn man gelegentlich auf Personen trifft, die dann den gleichen Hintergrund haben. So zum Beispiel einen ziemlich alten Herren, der dunkelbraune Knopfaugen hat und ein hintergründiges, verschmitztes Lächeln. Und ein weiterer alter Herr mit einem eisengrauen Bürstenhaarschnitt und einer Unmenge Falten im Gesicht. Die schauen den Enten am Dorfteich zu und ab und an sagt mal einer einen kurzen Satz. „Wat quaken die denn andauernd?“ „Na, da wirft doch so`n Heini immazu wat in‘t Wassa. Wer weeß, wattet is. Imma rin in Teich, sieht ja keena!“ „Na, vielleicht is‘nt een Tierfreund. Vielleicht denkta, die ha‘m Hunga?“ „Na, der sieht aber nich aus, als wenna denkt!“

Ich denke aber im Vorbeigehen und muß lachen. Aber leise vor mich hin. „Sonst denkta noch, wat will die denn?“ Und dann fallen mir wieder so uralte Geschichten ein. Mein Vater war ja ein waschechter Berliner, obwohl er eigentlich nie berlinert hat. Meine Kinder berlinern bis heute nicht. Aber den Dialekt, die Schnelligkeit der Sprache und den stets unterschwelligen Humor haben sie auch drauf. Und ich habe immer gerne zugehört und ich habe es „auch drauf“, benutze es aber nur in bestimmten Situationen. Zum Beispiel (noch im Berufsleben) in den Handwerksbetrieben und auch bei den Urberliner Geschäftsleuten ist es noch üblich. Das nimmt sich, glaube ich, auch niemand wissentlich vor, das geht einfach ganz von selbst los.

Eine Urberliner Institution ist Adolph Glasbrenner gewesen, der Vater des Berliner Witzes, wie man ihn nannte. Er hat ihn nicht erfunden, der war schon da – aber er hat ihn aufgeschrieben und nicht gerade kultiviert, aber festgehalten. Auch Jonny Liesegang hat sich mit dem Festhalten des Berliner Dialektes verdient gemacht, Man unterscheidet schon den Jargon der einfachen Leute mit dem gewitzten und rasanten Dialekt. Ich habe keine Befürchtung, daß er aussterben wird.

Während Jonny Liesegang sich zwischen den kleinen Leuten herumtrieb und Augen und Ohren offen hielt, speziell in Wedding und Moabit denke ich, schrieb Glasbrenner hingegen viele Berliner Geschichten, war auch politisch sehr engagiert, und hatte unliebsame Auseinandersetzungen mit der Obrigkeit. Na, ich bin ja mehr eine Geschichtenerzählerin als daß ich Geschichte erzähle, da werden sich die interessierten Berliner schon Möglichkeiten verschaffen, selbst ein bißchen in vergangenen Zeiten herumzustöbern. Zumindest ergibt sich dann meistens der sogenannte „Aha“ Effekt.

Ein Urberliner Original war auch der Eckensteher Nante. Noch als Kind, als wir in der Feilner Ritze wohnten, grölten wir gemeinsam „Eckensteher Nante geht zu seiner Tante, läßt  sich ein  Stück Kuchen geben,  sagt noch nicht mal Dankeschön!“
Der stand der Überlieferung nach in der Nähe einer Kneipe im Laufe des Vormittags und begrüßte den hellen Tag mit “Welt, jetz kannste wieda loslejen! Lebenslauf, ick erwarte dir.“

Und auch ein bißchen dem Volk auf‘s Maul geschaut und überliefert.

Der Kapitalist: Das Gold muß eine Menge Luft enthalten. Wie könnten sonst diese Kerle so aufgeblasen sein?

Mathematische Aufgabe: Wenn die Prügelstöcke für ein Volk anderthalb Elle lang und einen Zoll dick sind, wie lang ist dann der Geduldfaden dieses Volkes?

Um etwas zu gelten, müssen sich die Nullen immer hübsch rechts halten.

Die Edelhirsche schießt man tot. Den Schnüffelhunden gibt man Brot.

Jetz binnick aba müde, Nachti!

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